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Unersetzlich: Senioren im Ehrenamt

Meldung der Freiwilligenzentrale vom 8. August 2011

2011 ist das Europäische Jahr des Ehrenamts. Doch nicht alleine deswegen macht sich in Politik und Gesellschaft die Erkenntnis breit: Ohne die Erfahrung und das Engagement vieler älterer Menschen, die sich allerorten für das Gemeinwohl einsetzen, sähen wir ganz schön alt aus.

Als Walburga Soegtrop nach einem erfüllten Arbeitsleben mit ihrem Mann beschloss, für die Zeit des Ruhestands zurück in die gemeinsame Heimatstadt zu ziehen, war es für sie eine Selbstverständlichkeit, sich ein ehrenamtliches Betätigungsfeld zu suchen. „Ich bin seit 45 Jahren in der Freiwilligenarbeit aktiv“, erklärt die 70-Jährige. Dabei hat die ehemalige Schulsekretärin neben dem sozialen Gewissen auch die eigene Lebensqualität im Blick. „Wir haben durch das Ehrenamt schnell viele Kontakte bekommen“, erinnert sie sich. „Das hat uns beiden den Einstieg erleichtert.“

„Für viele ist das eine Win-Win-Situation“, weiß auch Maria Leusing. Sie vermittelt in einer der vielen Freiwilligenzentralen im Land Hilfsdienste an jene, die sie brauchen. In manchen Fällen geht es gar nicht mehr ohne. „Die Arbeit der Lesehelfer ist aus den Schulen nicht mehr wegzudenken“, sagt sie. Ob im Bildungsbereich, als Begleitung und Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen oder für einfache Hilfen im Haushalt, etwa wenn jemand nicht mehr selbst die Bilder aufhängen kann: Die Ehrenamtskoordinatorin der Freiwilligenzentrale Gronau bringt Menschen zusammen, die einander gut tun. „Wir passen uns dabei auch an die Freiwilligen an“, erklärt sie. So sei die Dame, die nach einer Tumor-Operation vielleicht nur einmal im Monat Kindern etwas vorlesen kann, genauso willkommen wie Frau Soegtrop, die gleich einen ganzen Reigen an Aufgaben wahrnimmt. Und die Dankbarkeit der kranken Dame ist dabei genauso wertvoll wie die der Kinder, denen sonst kaum noch jemand vorliest. „Dann brauche ich nicht mehr einkaufen zu gehen, um Leute zu treffen“, habe sie sich gefreut.

Auch Walburga Soegtrop genießt die positive Resonanz, die ihr Engagement erfährt – auch wenn sie mal erschöpft ist, nach einem langen, kalten Tag auf dem Weihnachtsmarkt, wo über 1.000 selbst eingeweckte Gurkengläser für ein Kongo-Hilfe-Projekt auf Käufer warteten. Oder wenn sie sich einfach selbst einmal nicht gut fühlt. „Gerade heute morgen hatte ich so ein Tief“, erzählt sie. „Aber dann habe ich im Seniorenstift mit den dementen Menschen alte Volkslieder gesungen, und danach fühle ich mich so bereichert.“

Der Neurobiologe Prof. Dr. Manfred Spitzer hat festgestellt, dass freiwilliges Engagement auch der Gesundheit der Ehrenamtlichen nützt. Der Dienst am Nächsten beuge Bluthochdruck sowie zu hohen Blutzucker- und Blutfettwerten vor. Das Fazit des Direktors der Psychiatrischen Uniklinik Ulm: „Rein rechnerisch könnte man allein durch Ehrenämter die Streichung einer ganzen Reihe von Langzeitmedikationen ausgleichen.“

Autorin: Christiane Nitsche, Quelle: BKK inform 01/2011

Lese-Mutter
„Ich hätte sie alle knuddeln können“, sagt Walburga Soegtrop über ihre Zeit als Lese-Mutter im Kindergarten.